8. Februar 2015 Mehr als ein Museumsbesuch

Veröffentlicht am 11.02.2015 in Veranstaltungen

"Performing Change"

Über den Besuch einer Ausstellung und über die Ausweisung der Roma-Familie Ametovic

 

Im Rahmen unserer regelmäßigen Veranstaltungen an jedem 8. eines Monats waren wir im Museum für Neue Kunst und haben uns die Ausstellung der Künstlerin Mathilde ter Heijne angeschaut.

Über den Titel der Ausstellung und die räumliche Gegebenheit – ein Tipi, das als Raum im Raum zur Beratung animiert – kamen wir auch auf die Situation um die Ausweisung der Roma-Familie Ametovic zu sprechen. Wir hatten, auch auf der Landesebene der AsF, einen Winterabschiebestopp gefordert. Wir haben uns an der Diskussion um die künftige LEA in Freiburg beteiligt und werden das auch weiter tun. Wir haben uns sehr gefreut, dass Julien Bender (unser SPD Kreisvorsitzender) mit in der Delegation war, die die missliche Lage der Familie Ametovic öffentlich gemacht hat. 

Es ist uns klar geworden, dass es kaum Hoffnung gibt, die Familie zurück zu holen. Zu viele Prinzipien wurden aufgebaut und Positionen bezogen, die überwunden werden müssten. Die Größe dazu und die Souveränität scheint niemand der Entscheider mehr zu haben. Das Ringen um den sog. „Asylkompromiss“ erschwert zusätzlich: Es ist doch kaum denkbar, dass kurz nach der Formulierung des neuen Asylverfahrens, gleich ein Präzedenzfall geschaffen wird…? Ein Innenminister, der auch aus anderen Gründen in der Kritik steht, will sein „Gesicht nicht verlieren“. Wir, als Mitglieder der gleichen Partei, wollen mit unserer Kritik nicht in aller Härte einen innerparteilichen Streit heraufbeschwören.

Aber müssen wir einfach hinnehmen, dass eine Familie in dieses Räderwerk von Interessen und Prinzipien geraten ist? Schnell hat sich eine Solidargruppe gebildet, wurde Geld gesammelt und für eine Weile dürfte die Versorgung der Ametovics gesichert sein. Was wird aber weiter passieren: Der nächste Abschiebetermin steht schon fest… In Freiburg war man bereit die Roma als MitbürgerInnen aufzunehmen, hat Unterstützerkreise gegründet, die Kinder eingeschult und nach Wohnmöglichkeiten gesucht. Die Flüchtlingswellen aus den Krisengebieten haben indirekt zu einer Verschärfung des Asylrechts geführt. Um diesen Platz zu schaffen, werden jene abgeschoben. Armut und Diskriminierung sind kein Asylgrund; Zuwanderung aus Armut und wegen Diskriminierung in den Herkunftsländern ist nur für EU-BürgerInnen möglich. Die Anderen haben Pech. Wir administrieren unser Mitgefühl und selektieren Schicksale… und da sind wir wieder bei der Ausstellung „Performing Change“: Das erste Exponat ist die fortlaufende Postkartenserie „Woman to Go“; Fotografien unbekannter Frauen kombiniert mit Biografien bekannter, aber vergessener Frauen, die zwischen 1840 und 1920 lebten, sind ausgestellt. Eine dieser Frauen wird für uns Sadbera Ametovic sein….Woman to go?

 

https://www.openpetition.de/petition/online/sofortiges-wiedereinreise-und-rueckkehrrecht-von-frau-ametovic-und-ihren-kindern-nach-freiburg

 

Museum für Neue Kunst: Performing Change , noch bis zum 22.2.2015 

http://www.freiburg.de/pb/,Lde/500883.html

 

 

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